KONGRESS 2006: bildung - macht - gesellschaft
20. - 22. März 2006
Johann Wolfgang Goethe-Universität
Frankfurt am Main
bildung • macht • gesellschaft
Zur Kongresswebsite http://www.dgfe2006.uni-frankfurt.de/
Die engen Verflechtungen zwischen Bildung und Gesellschaft sind ein Grundthema der Erziehungswissenschaft. Wie weit sind die Struktur des Bildungssystems und die vermittelten Bildungsinhalte abhängig von der jeweiligen Gesellschaft? Wie weit gewinnt Bildung Autonomie und wie weit reicht ihr Potenzial zur Veränderung gesellschaftlicher Ungleichheit? Ist über Bildung eine gerechtere Gesellschaft zu erreichen und Macht zu steuern? Dies sind bekannte Fragen, wie auch jene, ob die gegebenen gesellschaftlichen Bedingungen Bildungsmöglichkeiten strukturell einschränken und – ungeachtet aller pädagogischen Interventionen – Ungleichheit perpetuieren. In dieser Perspektive ist die Rolle der Bildung in einer zivilisatorisch verfassten Gesellschaft zu klären.
Angesichts des gegenwärtigen Umbaus von Gesellschaft und Staat stellt sich die Frage nach der zukünftigen Kontur der Bildungs- und Sozialsysteme unter neuen Bedingungen. Von der Schule, den Hochschulen ebenso wie von den vorschulischen und sozialpädagogischen Einrichtungen und der Erwachsenenbildung wird gefordert, im Umgang mit Wissen geschulte, flexible, auf Ungewissheit vorbereitete, aber ins Beschäftigungssystem integrierbare, innovationsfähige Subjekte hervorzubringen. Quer zu dieser Diskussion steht der insbesondere für die Hochschulen vorgetragene Ruf nach Elite und Exzellenz, vermittelt über Bildung und Wissen.
Historisch herausgebildete Zugänge zu Erziehung und Bildung, zu Hilfe und Unterstützung werden nicht nur aus ökonomischen Gründen kritisiert, sondern es zeigt sich auch, dass sie das ‚Versprechen’ – Gleichheit und Gerechtigkeit durch Bildung – nicht einzulösen vermögen. Vielmehr reproduzieren und legitimieren sie vielfach Ungleichheit. Diese Situation fordert zur erneuten Auseinandersetzung mit zentralen Fragen der Erziehungswissenschaft auf: In welcher Weise kommen Bildungsinstitutionen den vielfältigen gesellschaftlichen Anforderungen nach und wie formuliert die Gesellschaft Erwartungen an die Bildung? Wie steht es um die Wirksamkeit entsprechender Bildungsprozesse? Wie groß ist ihr Potenzial, gesellschaftliche Veränderungen zu befördern, z. B. im Beschäftigungssystem? Wie geht unsere Gesellschaft mit sozialen (über Bildung vermittelten?) Differenzen und Ungleichheiten um? Und wie geht die Erziehungswissenschaft damit um, dass pädagogische Institutionen diese Differenzen erzeugen?
Die Erziehungswissenschaft ist herausgefordert, sich an den gegenwärtigen Diskussionsprozessen in allen ihren disziplinären Bereichen aktiv zu beteiligen. Somit ist die Frage nach dem Verhältnis von bildung ● macht ● gesellschaft eine stets aktuelle, die unter Einbezug historischer Erfahrungen die Erziehungswissenschaft als Disziplin ebenso wie als Profession betrifft.
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