Arbeitsgemeinschaft Inklusionsforschung auf Zeit gegründet

Auf Antrag einer Gruppe von Erziehungswissenschaftlerinnen und Erziehungswissenschaftlern unterschiedlicher Sektionen und Kommissionen unserer Fachgesellschaft hat der Vorstand der DGfE auf seiner Sitzung vom 03./04.11.2016 eine Arbeitsgemeinschaft Inklusionsforschung für die Dauer von drei Jahren eingerichtet.
Ziel der Einrichtung dieser Arbeitsgemeinschaft ist es, "einen Ort zu schaffen, an dem über die teildisziplinären Grenzen und ihrer Organisation in Form von Sektionen und Kommissionen innerhalb der DGfE hinweg die Bedeutung von Inklusion in Forschung und Lehre, aufbauend auf den bisherigen Erkenntnissen und Wissensbeständen der Sektionen und Kommissionen, diskutiert werden kann" (aus dem Antragsschreiben). Dies soll in Form von mindestens zwei Tagungen sowie Publikationen geschehen. Die Arbeitsgemeinschaft beabsichtigt außerdem "in enger Kooperation mit dem Vorstand der DGfE und dem Rat der Sektionen, die Klärung der Frage der langfristigen Verortung des Themas innerhalb der erziehungswissenschaftlichen Fachgesellschaft, also die nach der Gründung einer Sektion oder Kommission innerhalb einer Sektion" (ebd.).
Laut Satzung können Arbeitsgemeinschaften vom Vorstand oder von den Sektionen im Einvernehmen mit dem Vorstand eingerichtet werden, um teildisziplinäre und fachliche Fragestellungen zu bearbeiten. Sie sind zeitlich befristet bis zur Erfüllung ihrer Aufgabe oder bis zur Konstitution als Kommission oder Sektion. Mit der Einrichtung einer solchen Arbeitsgemeinschaft sind keine Ansprüche auf finanzielle Zuwendungen durch den Vorstand verbunden. Der Vorstand betont außerdem, dass die Einrichtung der Arbeitsgemeinschaft kein Präjudiz für die künftige Einrichtung einer Sektion oder Kommission darstellt und dass vor einer Entscheidung über die dauerhafte Verortung der Inklusionsforschung innerhalb der DGfE die betroffenen Sektionen angehört werden.
Bislang beteiligte Kolleginnen und Kollegen sind Prof. Dr. Jürgen Budde, Prof. Dr. Andrea Dlugosch, Prof. Dr. Petra Herzmann, Prof. Dr. Argyro Panagiotopoulou, Prof. Dr. Lisa Rosen, Prof. Dr. Tanja Sturm und Dr. Monika Wagner-Willi.
Am 09./10. November 2017 findet die erste Tagung der Arbeitsgemeinschaft unter dem Titel „Inklusions- und Differenzforschung“ an der Universität zu Köln statt; nähere Informationen folgen Ende Februar 2017. Neben dem inhaltlichen Austausch ist vorgesehen, dass in Köln diskutiert wird, wie die Weiterarbeit der Arbeitsgemeinschaft Inklusionsforschung gestaltet sowie die Kooperation mit den bestehenden Sektionen und Kommissionen konzipiert werden kann, da es, anders als für Sektionen und Kommissionen keine vergleichbaren Vorgaben in der Satzung gibt. Bis dahin fungieren Prof. Dr. Jürgen Budde (juergen.budde@uni-flensburg.de) und Dr. Monika Wagner-Willi (monika.wagnerwilli@fhnw.ch) als Ansprechpartner/in für Fragen zur Arbeitsgemeinschaft.

Inklusion: Bedeutung und Aufgabe für die Erziehungswissenschaft
Stellungnahme der Deutschen Gesellschaft für Erziehungswissenschaft

Die verstärkte öffentliche wie fachliche Diskussion um Inklusion, die wesentlich unter Verweis auf die UN-Behindertenrechtskonvention geführt wird, basiert auf der menschenrechtlichen Perspektive universeller Anerkennung von Diversität, die in der Gewährleistung von Rechtsgleichheit und Nicht-Diskriminierung materialisiert werden soll. Die damit verbundenen Anfragen an die bisherige pädagogische Praxis, die bildungspolitischen Rahmenbedingungen und die erziehungswissenschaftliche Theoriebildung in Forschung und Lehre stehen auf der Agenda der kommenden Jahre. Die Erziehungswissenschaft kann in diese Debatten eine weitgefächerte Expertise einbringen und dabei auf umfangreiche Auseinandersetzungen mit Fragen von Behinderung und Benachteiligung, sozialer Ungleichheit, Diversity und Heterogenität aus den sonder- und integrations- bzw. inklusionspädagogischen Diskussionen der letzten Jahre zurückgreifen, aber auch auf Beiträge aus der Allgemeinen Erziehungswissenschaft, der Frauen- und Geschlechterforschung, der Interkul-turellen Pädagogik, der empirischen Bildungsforschung und vielen anderen Teildisziplinen. Zugleich besteht aber auch noch erheblicher Bedarf an weiterführender Forschung, Theoriebildung und der Entwicklung von Konzepten für die pädagogische Praxis. Als Forschungs- wie als Ausbildungsdisziplin steht die Erziehungswissenschaft vor der Aufgabe, sich den mit Inklusion verbundenen Herausforderungen zu stellen und aus wissenschaftlicher Perspektive Stellung zu den bildungspolitischen, konzeptionellen und praktischen Fragen zu beziehen, die sich im Kontext von Inklusion stellen. Als notwendig erscheint dabei zum einen die begriffliche Klärung und Vergewisserung darüber, was in welchem Kontext jeweils unter Inklusion zu verstehen ist und welche normativen Vorstellungen dem jeweiligen Verständnis zugrunde liegen. Im Blick auf die erforderliche bildungs- und sozialpolitische Verständigung ist es zum anderen erforderlich, die strukturellen Rahmenbedingungen und den gesellschaftlichen Kontext der Bemühungen um Inklusion in die Reflexionen einzubeziehen.

Vor diesem Hintergrund hat der Vorstand der Deutschen Gesellschaft für Erziehungswissenschaft (DGfE) eine Kommission aus Expertinnen und Experten einberufen und mit der Erarbeitung einer Stellungnahme beauftragt, die hiermit veröffentlicht wird. Lesen Sie hier die Stellungnahme.