Aus der Forschung

Achtsamkeit und Reduktion mentaler Blockaden in der LehrerInnenbildung

Prof. Dr. Telse Iwers-Stelljes, Prof. Dr. Angelika Wagner

Der Diskurs pädagogischer Professionalisierung schließt zunehmend die Berücksichtigung personaler Kompetenzen von Gelassenheit und Achtsamkeit ein. Gelassenheit wird dabei ausgehend von verschiedenen Stress- und Burnoutkonzeptionen als Entwicklung einer distanzierten, aber nicht unbeteiligten Haltung  konzipiert, der die Fähigkeit zu mentaler und emotionaler Selbstregulation zugrunde liegt und die stress- und burnoutprophylaktisch wirksam ist. Achtsamkeit setzt einerseits Gelassenheit voraus, bedarf aber zugleich einer aufmerksamen, zugewandten und respektvollen Wahrnehmung der Interaktionspartner und des Kontextes. Diese wertschätzende Haltung bezieht sich nicht nur auf die Adressaten pädagogischen Handelns, sondern auf alle beteiligten AkteurInnen. An der Universität Hamburg wurden und werden in der Forschungsgruppe Introvision Interventionsstudien zur Förderung von Gelassenheit und Achtsamkeit in verschiedenen Zusammenhängen der LehrerInnenbildung evaluiert.

Literatur:
Iwers-Stelljes, Telse A.; Koch, Kai-Christian; Krauthausen, Günter; Löser, Sonja; Nolte, Marianne & Wagner, Angelika C. (2014). Introvision zur Reduktion von Mathematikangst bei Lehramtsstudierenden. Qualitative Ergebnisse einer Pilotstudie. Zeitschrift Lernen und Lernstörungen, Heft 1, S. 7-38.
Iwers-Stelljes, Telse A. & Müller, Anne-Christin (2013). Introvision zur Auflösung von Lernblockaden und zur Förderung von Gelassenheit. Zeitschrift für Integrative Lerntherapie, 1, S. 4-9.
Iwers-Stelljes, Telse A. (2012). Perspektivwechsel und introvisionsorientierte Fallanalysen als gesundheitsförderliches Element der Lehrerbildung. Gruppendynamik und Organisationsberatung, 43. Jahrg., Heft 3.

Herausforderungen von Flucht und Migration für pädagogische Handlungskontexte

Prof. Dr. Telse Iwers-Stelljes

Aktuelle Entwicklungen stellen unsere Gesellschaft ebenso vor Herausforderungen wie diese ihren Niederschlag in unserem Erziehungs- und Bildungssystem finden. Die Anforderungen und Auswirkungen von Flucht und Migration finden auf verschiedensten Ebenen statt. Sie bedürfen einer kritischen Sensibilisierung für eigene subjektive Theorien und Umgangsweisen ebenso wie einer kritischen Reflexion von Zugangs- und Angebotsgestaltungen. An der Universität Hamburg hat sich eine Forschungsgruppe gegründet, welche sich speziell mit universitären Umgangsweisen befasst, Veranstaltungsangebote analysiert und deren Beitrag zu einer interkulturellen Pädagogik vor dem Hintergrund adressatensensibler Bedürfnisse reflektiert. Eine Kernfrage dieser Angebote ist die nach Unterstützungsbedarfen von im Kontext von Flucht du Migration tätigen PädagogInnen.

Literatur:
Iwers-Stelljes, Telse A.; Bosse, Elke & Heudorfer, Anna (2016). Universitäre Umgangsweisen mit den Herausforderungen von Flucht und Migration. Eine Fallanalyse. Gruppe. Interaktion. Organisation. Volume 47, Heft 3.
Iwers-Stelljes, Telse A. (2016). Unterstützungsbedarfe der Helfenden im Kontext von Flucht und Migration: Forschungsperspektiven von Studierenden der Erziehungswissenschaft. Gruppe. Interaktion. Organisation. Online first. DOI 10.1007/s11612-016-0330-x. Volume 47, Heft 3, pp 287–289.

Aufstiegskompetenz – Entwicklungspotentiale und Hindernisse

Prof. Dr. Angelika C. Wagner, Prof. Dr. Telse Iwers-Stelljes, Judith Oerding

Für die Entwicklung von Aufstiegskompetenz sind personenbezogene Einflussfaktoren sehr bedeutsam. Dabei können mentale Blockaden – beispielsweise Voreinstellungen, Vorurteile, Abneigungen oder Ängste – die Selbstwahrnehmung ebenso wie die Selbstwirksamkeitserfahrungen von Frauen in einer immer noch männlich dominierten Berufsumwelt nachhaltig beeinträchtigen. Deshalb gehört zur Aufstiegskompetenz u. a. auch die Fähigkeit, solche mentalen Blockaden zu erfassen und aufzulösen bzw. zu verringern. In diesem an der Universität Hamburg durchgeführten Teilprojekt eines umfassenden Forschungsprojektes zur Aufstiegskompetenz von Frauen haben wir mentale Blockaden in beruflichen Schlüsselsituationen von Frauen untersucht ein Interventionsprogramm entwickelt und evaluiert.  

Literatur:
Iwers-Stelljes, Telse A., Plaum, Maren; Oerding, Judith & Wagner, Angelika C. (2012). Coaching in Introvision für weibliche Nachwuchsführungskräfte: Erste Ergebnisse. Zeitschrift Organisationsberatung, Supervision, Coaching. 19. Jahrgang, Heft 2, S. 191-203.
Wagner, Angelika C., Iwers-Stelljes, Telse A., Ording, Judith & Paulsen, Inken (2012). Mentale Blockaden der Aufstiegskompetenz von Frauen. Konzeptionelle Grundlagen und Ergebnisse eines Forschungsprojekts. Gruppendynamik und Organisationsberatung, 43. Jahrg., Heft 3. S.245-268.

Selbst- und theoriegeleitete Fallreflexion in 7 Schritten

Prof. Dr. Renate Luca & Prof. Dr. Telse A. Iwers-Stelljes

An der Universität Hamburg im Fachbereich Erziehungswissenschaft werden seit 6 Jahren von Prof. Dr. Renate Luca und PD Dr. Telse Iwers-Stelljes im Rahmen der Projektreihe ‚Umgang mit Konflikten im schulischen Kontext’ Veranstaltungen für Lehramtskandidaten angeboten in deren Zentrum theorie- und selbstreflektierende Bearbeitungen von schulpraktischen Erfahrungen der Studierenden stehen.

Die Veranstaltungsreihe pilotiert ausgehend von Anregungen aus dem Hamburgischen Landesinstitut für Lehrerbildung im Kontext der dortigen Lehrertrainings (Affeldt, z. B. 1997) erste Konzepte zur fallreflektierenden Entwicklung von Selbst- und Sozialkompetenz. Dabei werden vier miteinander verschränkte Dimensionen der Professionalisierung bearbeitet:

  1. Dimension: Entwicklung erziehungswissenschaftlich fundierter Interpretations- und Handlungskompetenz anknüpfend an grundlegende Fragen zu Erziehung, Bildung und Lernen: Ausgehend von grundlegenden Annahmen zur pädagogischen Anthropologie (Gerspach, 2000; Gudjons, 1995) und zum humanistischen Menschenbild (z. B. Rogers, 1988; Dauber, 1997a; 1997b) werden erste systematische Annäherungen an Erfahrungen mit dem Schulpraktikum der Lehramtskandidaten vorgenommen.
  2. Dimension: Entwicklung einer Lehrerpersönlichkeit: Die ersten Annäherungen an Handlungsreflexionen werden erweitert um berufsbiographische Reflexionen aus psychoanalytischer (Wagner-Winterhager, 1982; Bosse, 1998) und humanistischer Sicht (Rogers, 1988; Bürmann, 1993; Burow, 1994; Luca und Winschermann, 1995);
  3. Dimension: Gestaltorientierte Reflexionskompetenz: Im Anschluss werden theoriegeleitete Fallreflexionen (Burow, 1994; Cohn, 1988; Amann und Quast, 1985; Grasser, 1982; Nolting, 2002a) im grundlegenden gestaltpädagogischen Modus zur Entwicklung von Awareness, Kontaktgewahrsein und der eigenen Unterstützungskompetenz verdichtend vorgenommenen.
  4. Dimension: Entwicklung von präventiver und interventiver Interaktionskompetenz im Unterricht: Abschließend werden unter Bezug auf pädagogische Interventions- und Präventionsmodelle (z. B. Gordon, 2001; Nolting, 2002b) antizipierbare Handlungsentwürfe skizziert und diskutiert.

Die Veranstaltungsreihe wurde und wird aus verschiedenen Perspektiven evaluiert. Es liegen quantitative Ergebnisse zur Entwicklung von Selbst- und Sozialkompetenz ebendo vor wie qualitative Entwicklungsstudien in Form von Falreflexionsberichten.

Literatur:
Iwers-Stelljes, Telse A. und Luca, Renate (2008). Ein Ansatz zur Förderung von Reflexionskompetenz: Fallarbeit in 7 Schritten. Gruppendynamik und Organisationsberatung, 39. Jahrg., Heft 4, S. 429-442.
Iwers-Stelljes, Telse A. & Luca, Renate (2005). Umgang mit Konflikten in schulischen Kontexten zur Förderung von Professionalisierungsprozessen von Lehramtsstudierenden. Ein Beispiel. Zeitschrift für Gestaltpädagogik.
Luca, Renate & Iwers-Stelljes, Telse A. (2006). Umgang mit Konflikten im schulischen Kontext: Entwicklung und Evaluation selbst- und sozialkompetenzorientierter Lehrveranstaltungen. In Dauber, H. & Zwiebel, R. (Hrsg.). Professionelle Selbstreflexion aus pädagogischer und psychoanalytischer Sicht. S. 141-171. Bad Heilbrunn: Klinkhardt.

Fallreflexionskompetenz und Salutogenese

Prof. Dr. Telse Iwers-Stelljes

In diesem Forschungsvorhaben wird untersucht, inwieweit der Perspektivwechsel zum Fremdverstehen als methodischer Zugang zur Förderung des Kohärenzgefühls von LehrerInnen und Lehrern nutzbar werden kann. 
Dazu werden die wesentlichen Annahmen Antonovskys in seinem Coping-Modell der Salutogenese und den immanenten Dimensionen von Verstehbarkeit, Handhabbarbeit und Bedeutsamkeit vor dem Hintergrund der Kernannahmen der Humanistischen Psychologie theoretisch reflektiert. 
Im Weiteren wird ausgehend von Erfahrungen mit dem methodischen Konzept des Perspektivwechsels die potentielle Bedeutung dieses Reflexionsverfahrens für die Salutogeneseförderung an zwei Datenmengen empirisch untersucht. Dabei handelt es sich zum einen um im Kontext von universitären Seminaren zur selbst- und theoriegeleiteten Fallreflexion in der ersten Lehrerbildungsphase entstandene schriftliche Fallreflexionsarbeiten und zum anderen um ein verschriftlichte Beispiele aus Supervisionsprozessen mit PädagogInnen.

Literatur:
Salutogenese und Perspektivwechsel als zentrale Konzepte der personalen Entwicklung von Lehrenden. Vortrag gehalten auf dem 22. Kongress der DGfE am 17.3.2010 in Mainz.

Was hält Lehrer und Lehrerinnen gesund – die Bedeutung von Ressourcen, subjektiver Bewertung und Verarbeitung von Belastung für die Gesundheit von Lehrern und Lehrerinnen

Prof. Dr. Elke Döring-Seipel & Prof. Dr. Heinrich Dauber

Im Unterschied zu vielen bisherigen Untersuchungen zur Lehrerbelastung wird mit der vorliegenden Studie nach gesundheitsförderlichen Persönlichkeitsmerkmalen, Einstellungen und Haltungen gefragt. Die triangulativ angelegte Erhebung zeigt systematische Unterschiede zwischen eher gesunden und häufiger kranken LehrerInnen, woraufhin gesundheitsförderliche Handlungsimplikationen ableitbar sind.