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Mitteilungsheft 23 - Beitrag Diepold

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Peter Diepold1

Das interdisziplinäre DFG-Projekt “Dissertationen Online” Ergebnisse und Ausblick

1 Ergebnisse der zwei Projektjahre

1.1 Informationeller Mehrwert von Online-Dissertationen

Die meisten Dissertationen werden auf dem Computer erstellt und liegen in digitalisierter Form vor, bevor sie gedruckt werden. Es liegt nahe, sie über das Internet der Wissenschaft zugänglich zu machen. Da es sich bei solchen Arbeiten nicht selten um Forschungen handelt, die den state of the art zu einem bestimmten Thema beschreiben (Literatur), neue methodische Wege aufzeigen, aktuelle Forschungsergebnisse dokumentieren u.a.m., würde ein erheblicher wissenschaftlicher Mehrwert erzeugt, wenn sie leicht auffindbar und sofort zugänglich wären. Dabei erlauben Digitalisierung, Speicherung auf Computern und Kommunikation über weltweite Netze

  • das gezielte Recherchieren nach Autor, Titel, Jahr, Schlagworten, Begriffen in Gliederung, Legenden, Sach-, Namens-, Orts-, Literaturverzeichnissen, Listen, Zitaten sowie im Volltext (einschließlich komplexer Bool’scher Logik) über eine große Anzahl von Dissertationen auf verteilten Servern,
  • die sofortige Verfügbarkeit des Dokuments wie auch bestimmter Teile davon (Kapitel, Tabellen, Rohdaten usw.) auf dem Bildschirm bzw. dem Drucker am Arbeitsplatz des Wissenschaftlers,
  • die rasche Integration neuer Forschungsergebnisse in die eigene Forschungsarbeit,
  • die bessere Überprüfbarkeit von Verweisen, Zitaten und Daten,
  • die Darstellung von Farbe, 3D, Simulationen, Animationen u.a.m. auf dem Computerbildschirm (im Buchdruck nur unter hohen Kosten oder gar nicht darstellbar).

1.2 Anforderungen aus der Sicht der Fachgesellschaften

1997 hatte die Kultusministerkonferenz beschlossen, dass der Veröffentlichungspflicht durch die Ablieferung einer elektronischen Version entsprochen werden kann. Seitdem haben eine Reihe deutscher Hochschulen entsprechende Lösungen eingeführt. (Unsere Dokumentation (vgl. http://www.dissonline.de/biblio.html) weist mit Stand August 2000 ca. 30 Projekte und Archive digitaler Dissertationen an deutschen Hochschulen nach. ) Die Situation ist aber insofern unbefriedigend, als die Verfahren in vielen Fällen nicht den Anforderungen genügen, die für das wissenschaftliche Arbeiten nötig und durch die IuK-Technik möglich sind. Dies sind insbesondere:

  •  Authentizität und Integrität. Es muß gewährleistet sein, dass es sich um die von der Fakultät/dem Promotionsausschuss freigegebene Version der Dissertation handelt und diese nicht nachträglich manipuliert werden kann.
  • Recherchierbarkeit. Die Arbeit muß dokumentarisch so erschlossen sein, dass man nicht nur lokal, sondern weltweit danach recherchieren kann, und zwar in den bibliographischen “Metadaten” und möglichst auch in sog. Strukturdaten (wie Inhalts-, Literaturverzeichnisse, Tabellen, Formeln, Register u.a.m.).
  • Persistenz und Verfügbarkeit. Die Dissertation muß über eine unveränderbare Signatur (URI) lokalisierbar und auch verfügbar sein.
  • Langfristige Lesbarkeit. Die Arbeit muß auch in Zukunft lesbar gehalten werden, d.h. nach offenen, internationalen Normen standardisiert, für Druck wie für Bildschirmdarstellung geeignet und in Text- und Multimedia-Formate konvertierbar sein, die in der Zukunft Standard sein werden.
  • Workflow. Die Geschäftsgänge an Fakultäten und Bibliotheken sollten effizient und kostengünstig sein.

1.3 Lösungen

Dissertationen Online hat, exemplarisch für den Bereich wissenschaftlicher Qualifikationsarbeiten, in sieben Teilprojekten (im folgenden “TP”) (http://www.DissOnline.de/teilpr-neu.html) und fünf wissenschaftlichen Disziplinen (Mathematik, Physik, Chemie, Informatik, Erziehungswissenschaft) Lösungen und Hilfen für Produktion, Retrieval und Archivierung von Hochschulschriften entwickelt. Sie betreffen:

  • die Klärung urheberrechtlicher Fragen zwischen Autoren, Fakultäten, Universitätsbibliotheken, Der Deutschen Bibliothek und Verlagen (TP 2),
  • die erforderlichen Strukturelemente für die dokumentarische Erschließung (Meta-Daten), Verfahren für die Suche in Meta-Daten und in Volltexten auf den Servern der Hochschulen und Der Deutschen Bibliothek (TP 1 und TP 2),
  • die für Bildschirmdarstellung, Druck, Archivierung und Retrieval geeigneten Formate (TP 3),
  • Empfehlungen für Multimedia-Formate (TP 4),
  • den Workflow zwischen Autoren, Fakultäten, Bibliotheken und DDB (TP 3, 6 und 7),
  • die Archivierung von Dissertationen auf Dokumentenservern der Universitäten (TP 3),
  • multimediale Hilfen und Trainingsmaterialien (Diss-Info) für Autoren, Bibliotheken, Rechenzentren und Fachbereiche (TP 5).

Diese Lösungen favorisieren offene Standards und sind mit den internationalen Partnern der Networked Digital Library of Theses and Dissertations (NDLTD) (http://www.ndltd.org) eng abgestimmt.

Zusammen mit den durchgeführten Untersuchungen und Entwicklungen sind sie im Folgenden unter den einzelnen Teilprojekten näher erläutert. Sie sind auf einer multimedialen CD-ROM und auf dem Server DissOnline.de dokumentiert und werden dort auch weiter gepflegt. Denn von einer endgültigen, abschließenden Lösung, die den Anforderungen der Wissenschaft voll genügen, kann noch nicht gesprochen werden:

  • So gibt es zwar Empfehlungen für Formate, auch hat das Projekt Prozeduren für die Konvertierung üblicher proprietärer Textformate entwickelt, doch ist der Konvertierungsaufwand noch verhältnismäßig hoch. Es ist aber zu erwarten, dass sich neue Standards (XML) durchsetzen und proprietäre Textsysteme die Konvertierung in offene Standards unterstützen werden. Hier sind die Empfehlungen von Dissertationen Online weiterzuführen und insbesondere DTDs (document type definitions) für andere als die im Projekt beteiligten Wissenschaftsdisziplinen zu entwickeln.
  • Auch schreitet die Entwicklung im Bereich der Multimedia-Formate außerordentlich schnell voran; heutige Empfehlungen können daher nur temporären Charakter haben.
  • Die multimedialen Hilfen und Trainingsmaterialien für Doktoranden, Fakultäten, Bibliotheken und Rechenzentren werden den zukünftigen Entwicklungen entsprechend angepasst werden müssen, wenn sie aktuell bleiben wollen.

1.4 Empfehlungen

Das Projekt empfiehlt daher,

  • die entwickelten generalisierbaren Lösungen interessierten Universitäten, Bibliotheken und Verlagen zugänglich zu machen,
  • zu einer formellen Beteiligung an “DissOnline” aufzurufen und dies an bestimmte Grundsätze und Bedingungen zu knüpfen,
  • an Der Deutschen Bibliothek eine Geschäftsstelle einzurichten, die die Zusammenarbeit der Kooperationspartner koordiniert,
  • die Entwicklung der technischen Lösungen auf der Basis offener internationaler Standards (Open Archive Initiative) (http://www.openarchives.org/) weiterzuverfolgen,
  • die für Dissertationen entwickelten Lösungen und Verfahren auf die digitale Veröffentlichung wissenschaftlicher Monographien generell anzuwenden und die dafür nötigen Anpassungsarbeiten durchzuführen,
  • Studenten, Promovenden und Dozenten Empfehlungen und praktische Hilfen für das Verfassen, Strukturieren und Dokumentieren von digitalen Arbeiten zu geben, die für Netz- wie für Printveröffentlichungen gelten können (“Autorenrichtlinien”).

2 Dissertationen im internationalen Kontext

2.1 NDLTD

Das Projekt hatte sich bereits im ersten Jahr der “Networked Digital Library of Theses and Dissertations” (NDLTD) (http://www.ndltd.org) angeschlossen und ist auch im Steering Comittee dieser Organisation vertreten. NDLTD gehören derzeit 90 Universitäten und 12 Institutionen weltweit an, darunter z.B. die Coalition for Networked Information (CNI), Online Computer Library Center (OCLC), Association of Research Libraries (ARL), Organization of American States (OAS) und UNESCO.

Gemeinsames Ziel ist es, eine weltweite virtuelle Bibliothek aus digitalen Magisterarbeiten und Dissertationen aufzubauen, die dafür nötigen Techniken, Prozeduren, Standards gemeinsam auszutauschen und weiterzuentwickeln sowie Studenten und Dozenten in die Möglichkeiten des Online-Publizierens einzuführen. Das Konzept entstand bereits 1987 am Virginia Tech (Virginia Polytechnic Institute and State University, http://www.vt.edu/) und verdankt seinen Erfolg dem unermüdlichen Engagement seines Gründers, Prof. Edward Fox, der an dieser Hochschule lehrt.

Auf der Basis der an Virginia Tech benutzten Document Type Definition (DTD) wurde in TP 3 die in Teilbericht 3 bereits beschriebene “DiML-Dokumenttypdefinition” entwickelt, die die Grundlage für die darauf aufbauenden Empfehlungen von DissOnline für die Strukturierung/Formatierung unter WinWord, WordPerfect und LaTeX ist.

2.2 Dublin Core Metadata Set

Der von DissOnline empfohlene Metadatensatz ist international abgestimmt worden. Auf dem DC7 in Frankfurt/Main im September 1999 haben Vertreter aus Griechenland, USA (NDLTD, OCLC), Portugal (National Library) und Japan den Vorschlag zu einem gemeinsamen Metadatensatz diskutiert; dieser befindet sich jetzt in der internationalen Abstimmung. Der aktuelle Stand ist auf der Webseite der NDLTD-Standards-Arbeitsgruppe dokumentiert. (http://www.ndltd.org/standards)

2.3 UNESCO

Im September 1999 führte die UNESCO in Paris einen “Workshop on an International Project of Electronic Dissemination of Theses and Dissertations” (http://www.unesco.org/webworld/etd) durch. Es waren 11 Länder mit 23 Experten aus dem Bereich digitaler Dissertationen und Magisterarbeiten vertreten. Ziel des Workshops war es, die existierenden Möglichkeiten Entwicklungsländern zugänglich zu machen.

Zu den fünf “centers of excellence”, deren Ergebnisse von hoher Relevanz für dieses Ziel angesehen werden, wurde das deutsche Projekt “Dissertationen Online” gezählt. Die Humboldt-Universität übernahm es im folgenden, für die UNESCO im Rahmen des Deutschen Bildungsservers ein “Clearing House” (http://www.eduserver.de/unesco/) einzurichten. Hier können Institutionen, die digitale Dissertationen anbieten, mit Adresse, URL und näheren Informationen eingetragen werden, Experten aus Wissenschaft, Hochschulverwaltung, Rechenzentren oder Bibliotheken ihre Expertise anbieten sowie technische und didaktische Materialien dokumentiert werden, die auf Servern weltweit zugänglich sind.

Unter der Schirmherrschaft der UNESCO entsteht ein “International Guide on ETDs”. Hier sollen die Erfahrungen, die weltweit in digitalen Dissertationsprojekten gemacht wurden, sowie die Empfehlungen, die im Rahmen dieser Projekte entstanden, zusammengefasst, aufgearbeitet und im Netz wie auf CD-ROM international verfügbar gemacht werden, so dass vor allem Entwicklungsländer davon profitieren können. In diesem Projekt arbeiten außer DissOnline Partner aus Virginia Tech, University of South Florida, University of Montreal, Université de Lyon 2, Universidad de Chile, Australian Digital Theses Project, Digital Library of Indian Electronic Theses (VIDYANIDHI), Ibero-American Science & Technology Education Consortium (ISTEC) zusammen.

2.4 Weitere internationale Zusammenarbeit

In Zusammenarbeit mit NDLTD und weiteren, insbesondere skandinavischen und französischen Partnern wurde an der HU im Mai 2000 ein erster Workshop zum Thema “Archivierung elektronischer Dissertationen mit XML” durchgeführt. (http://dissertationen.hu-berlin.de/episs/dtd-workshop/) Es wurde der state of the art festgestellt und ein arbeitsteiliges Vorgehen zur Weiterentwicklung von Konvertierungsmechanismen und von Darstellungsmöglichkeiten für XML-Dokumente über das Web abgesprochen. Weiterhin wurde das Problem der Schnittstellen für die DTDs mit dem Ziel diskutiert, mittels einer einheitlichen Recherche in den Strukturen weltweit verteilter XML-Archive suchen zu können. Weitere Workshops sind geplant.

3 Wie geht es weiter mit Dissertationen Online?

Das Projekt wurde mit einer größeren Fachtagung am 30./31. Oktober 2000 an der Humboldt-Universität abgeschlossen. (http://www.DissOnline.de/abschlusstagung/)

Die Deutsche Bibliothek, unterstützt von der Deutschen Initiative für Netzwerk-Information (DINI) (http://www.dini.de/), in der wissenschaftliche Bibliotheken, Medien- und Rechenzentren der Hochschule und die IuK-Initiative der wissenschaftlichen Fachgesellschaften zusammenarbeiten, hatte interessierte Universitäten eingeladen, sich an DissOnline zu beteiligen, deren Lösungen und Verfahren zu prüfen, sie gemeinsam weiter zu entwickeln und über den Bereich von Dissertationen auf Hochschulschriften auszudehnen.

Die Empfehlungen des DFG-Projekts wurden von ca. 130 Teilnehmern aus Bibliotheken, Wissenschaftsverwaltung und Verlagen diskutiert und angenommen. Sie verständigten sich auf folgende Ergebnisse:

3.1 Beteiligung an DissOnline

Unter Beachtung wesentlicher Grundsätze und informationstechnischer Voraussetzungen sowie mit Unterstützung durch die auf dem Server DissOnline.de und auf der CD-ROM DissInfo dokumentierten Ergebnisse, Empfehlungen, Handreichungen und Materialien bietet Die Deutsche Bibliothek Universitäten, Fakultäten, Bibliotheken, Verlagen, Promovenden wie Doktorvätern an, sich in einem geordneten Verfahren an DissOnline zu beteiligen.

Auf diese Weise könnten die international abgestimmten Forschungs- und Entwicklungsergebnisse bundesweit in ein flexibles System einmünden und weitergeführt werden, das generell wegweisend für Veröffentlichung, Dokumentation, Nutzung und Archivierung wissenschaftlicher Monographien im Internet wäre. Für Institutionen, die sich beteiligen möchten und bereits eigene Lösungsverfahren und Tools entwickelt haben, können in Absprache mit Der Deutschen Bibliothek Abweichungen vereinbart werden.

3.2 Grundsätze

Damit die unter 1.2 formulierten Anforderungen realisiert werden können, ist eine gemeinsame Zielvereinbarung nötig, deren Einzelheiten die Teilnehmer zusammen mit DDB festlegen. Im Rahmen der Entwicklung einer Kultur elektronischen Publizierens verpflichten sich die Teilnehmer an DissOnline auf folgende Grundsätze:

  • freier, kostenloser Zugriff auf die Metadaten der Dissertation und freier, ggf. kostenpflichtiger Zugriff auf die Dissertation im Internet, auch bei gleichzeitiger oder späterer Drucklegung
  • Festlegung auf empfohlene Formate, die längerfristig für Bildschirmdarstellung, Druck, Retrieval, Transfer, Speicherung und Archivierung geeignet sind
  • Dokumentation der Dissertation durch den mit Der Deutschen Bibliothek vereinbarten Metadatensatz
  • Bereitstellung auf DissOnline-Servern (der UBs, Fakultäten, Verbünde, Sondersammelgebiets- bzw. Zentrale Fachbibliotheken, Fachgesellschaften, Verlage; DDB), dabei Sicherung von Authentizität, Integrität und Zugriffspersistenz (PI) durch entsprechende Technik
  • Langzeitarchivierung und Bereitstellung in Der Deutschen Bibliothek

3.3 Teilnehmer und Bedingungen der Selbstverpflichtung

In der Regel werden sich einzelne Hochschulen an dem Verbund beteiligen, doch soll es auch möglich sein, dass sich einzelne Fakultäten, Bibliotheken, Bibliotheksverbünde sowie Verlage DissOnline anschließen. Schließlich gibt es zunehmend einzelne Promovenden, die ihre Arbeiten im Internet veröffentlichen wollen, dies aber an ihrer Hochschule noch nicht können. Auch ihnen soll eine Möglichkeit angeboten werden, sich an DissOnline zu beteiligen.

Grundlage und Ausgangspunkt einer Beteiligung ist für alle die Selbstverpflichtung auf die Einhaltung der in 3.2 genannten Grundsätze. Darüber hinaus

  • ändern Universitäten ihre Promotionsordnungen (wenn möglich, auf der Ebene des Akademischen Senats), benennen verantwortliche Ansprechpartner für bibliothekarische, rechentechnische und organisatorische Belange, organisieren einen effektiven Workflow, gewährleisten die notwendige Technik, organisieren Ausbildung für Bibliothekspersonal, bieten Kurse für Promovenden an und stellen Hotline, FAQs, Mailservice bereit.
  • Wo sich Hochschulen als Ganze DissOnline (noch) nicht anschließen, sollen einzelne Fakultäten bzw. Fachbereiche dennoch die Möglichkeit dazu erhalten. Sie ändern ihre Promotionsordnung, benennen einen verantwortlichen Ansprechpartner, organisieren den Workflow, sorgen für eine Beratung ihrer Promovenden, verpflichten sie auf die Einhaltung der Empfehlungen für Promovenden und schließen eine Vereinbarung mit einer Bibliothek ab, die DissOnline bereits beigetreten ist.
  • Auch ein Beitritt einzelner Bibliotheken oder Bibliotheksverbünde soll möglich sein. Sie gewährleisten insbesondere die notwendige Technik (s.u. zu 3.4), organisieren einen effektiven Workflow und bieten Beratung für Fakultäten und Promovenden an.
  • Einzelne Wissenschaftler an Universitäten, die DissOnline noch nicht beigetreten sind, verpflichten sich zur Einhaltung der Empfehlungen für Promovenden, insbesondere zur Benutzung der Druckformatvorlagen für DissOnline, kooperieren mit einem Berater, verpflichten sich zum Eintrag der Metadaten der Dissertation mittels der Formatvorlage oder des Meta-Maker und übertragen einem autorisierten DissOnline-Server ein nicht ausschließliches Recht zur Veröffentlichung ihrer Dissertation im Internet.
  • Verlage verpflichten sich auf die Anerkennung der Grundsätze, gewährleisten die notwendige Technik (entweder auf einem eigenen Server oder dem eines Verbundes), stellen die Metadaten sowie Verzeichnisse des Inhalts, der benutzten Literatur, der Schlagwort- und andere Verzeichnisse sowie einen Abstrakt für den Nutzer kostenfrei ins Internet und ermöglichen einen (kostenpflichtigen) Download auch von Teilen der Arbeit

3.4 Informationstechnische Voraussetzungen

Von erheblicher Bedeutung für die verlässliche und längerfristige Bereitstellung von Metadaten und Dokumenten ist es, sie auf einem besonders gesicherten Dokumentenserver zu halten. Dieser kann im Rechenzentrum der Hochschule oder eines Bibliotheksverbundes, bei einer Fachgesellschaft oder bei einem großen Verlag betrieben werden, in jedem Falle aber auch bei Der Deutschen Bibliothek

Auf einem solchen Dokumentenserver müssen im Falle der Dissertationen gewährleistet sein:

  • die Autorisierung durch den Promotionsausschuss/die Fakultät,
  • durch digitale Signatur + Zeitstempel des Servers die Authentizität des Dokuments,
  • durch Sicherheitsvorkehrungen seine Unversehrtheit (Integrität),
  • die Persistenz der Signatur (URI),
  • und schließlich der Einsatz einer dissertationsspezifischen Metadaten- Suchmaschine oder Anschluss an eine derartige Suchmaschine oder ein äquivalentes Suchverfahren.

3.5 Koordinierung durch Die Deutsche Bibliothek

Die Deutsche Bibliothek richtet eine Geschäftsstelle ein, die bundesweit einen Dissertationsdienst etabliert. Sie koordiniert die Beteiligung von Institutionen an DissOnline und sorgt für die Weiterentwicklung im Rahmen eines übergreifenden Langzeitarchivs von digitalen Hochschulschriften.

Zu den besonderen Aufgaben Der Deutschen Bibliothek gehören:

  • Sie betreibt die Langzeitarchivierung aller digitaler Dissertationen,
  • sie gibt Empfehlungen für die beteiligten Universitäten, Bibliotheken, Fakultäten und bezüglich der akzeptierten Formate von Dokumenten und Multimedia sowie ihrer Metadaten heraus,
  • kooperiert mit den DissOnline-Dokumentenservern von Hochschulen. Bibliotheken und Fachgesellschaften,
  • entwickelt die in DissInfo dokumentierten Handreichungen weiter,
  • regt die technische Weiterentwicklung an,
  • regt die Kooperation unter den wissenschaftlich publizierenden Einrichtungen und Wissenschaftlern an,
  • betreibt eine Hotline und eine Mailingliste für die beteiligten Universitäten, Fakultäten und Bibliotheken.

Sie orientiert sich dabei an nationalen und internationalen Entwicklungen (u.a. an der Dublin Core Metadata Initiative, NDLTD (http://www.ndltd.org/), Bemühungen der UNESCO (http://www.eduserver.de/unesco/), META-LIB (http://www.ddb.de/professionell/projekte.htm#meta), CARMEN (http://www.mathematik.uni-osnabrueck.de/projects/carmen/carmen.html), der Open Archive Initiative (http://www.openarchives.org), des World Wide Web Consortiums (http://www.w3.org/), Renardus (http://www.renardus.org/) u.a.).

Sie wird in ihrem Bemühen unterstützt durch

  • die Deutsche Forschungsgemeinschaft (http://www.dfg.de/)
  • die Deutsche Initiative für Netzwerk-Information (DINI) (http://www.dini.de/)
  • die IuK-Initiative der wissenschaftlichen Fachgesellschaften (http://www.iuk-initiative.org/)
  • einzelne wissenschaftliche Fachgesellschaften,
  • spezifische Kooperationspartner, z.B. in der Weiterentwicklung der technischen Grundlagen (ein entsprechendes Angebot der Humboldt-Universität liegt vor).

3.6 Was bringt die Beteiligung den Institutionen?

3.6.1 Vorteile einer Beteiligung an DissOnline

  • Anwendungssicherheit. Die beteiligten Institutionen sind eingebunden in einen gemeinsamen deutschlandweiten Entwicklungszusammenhang und gemeinsame, offene internationale Standards für das Elektronische Publizieren wissenschaftlicher Qualifikationsarbeiten.
  • Beteiligung und Mitbestimmung. Teilnehmer nehmen an der Entwicklung teil. Sie bestimmen mit, welche Lösungen und Standards gewählt bzw. weiterentwickelt werden.
  • Beratung und Unterstützung durch die Geschäftsstelle. Teilnehmer erhalten Beratung und Unterstützung durch die Geschäftsstelle und die anderen Beteiligten über den DissOnline-Server, die multimediale CD-ROM und eine Hotline. Erprobte Beispiele für Workflow, Konvertierung, Schulung, Beratung u.a.m. stehen den Beteiligten zur Verfügung.
  • Kostenersparnis. Lösungen und Tools können nachgenutzt werden. Kostspielige lokale Sonderentwicklungen können vermieden werden. Promovenden sparen die erheblichen Druckkosten.
  • Leistungsfähiges Retrieval. Es kann gezielt (einschließlich komplexer Bool’scher Logik) in den Metadaten, im Volltext, und, zukünftig, zunehmend, in den Strukturdaten (Verzeichnissen, Indexe) der Dissertationen recherchiert werden. Recherchen müssen sich nicht auf die Bestände einzelner Universitätsbibliotheken oder -verbünde beschränken, sondern können mittels einer einzigen Anfrage die Daten eines bundes- wie weltweit umfassenden verteilten Systems abfragen. Metadaten und Dokumente sind dem Wissenschaftler sofort auf seinem Arbeitsplatz verfügbar; mit dem Autor kann unmittelbar kommuniziert werden.
  • Wissenschaftlicher Mehrwert. Die virtuelle Bibliothek deutscher Online-Hochschulschriften auf dem nationalbibliographischen Zentrum DDB wie auf verteilten Servern von Hochschulbibliotheken, Fachgesellschaften und Verlagen bietet allen einen schnellen Zugriff auf das Gesamtdokument wie auf einzelne Bestandteile. Umfängliche Rohdaten sowie Multimedia, die i.d.R. nicht gedruckt werden (können), sind online verfügbar.
  • Die langfristige Verfügbarkeit wird über die beteiligten Bibliotheken und Verbünde, vor allem aber durch die Archivierung bei Der Deutschen Bibliothek gesichert.

3.6.2 Probleme einer Beteiligung an DissOnline

Welche Probleme bringt eine Beteiligung an DissOnline mit sich?

  • Man muß mit anderen kooperieren; das bedeutet einen höheren Aufwand als eine lokale Insellösung.
  • Es gibt psychologische Hemmschwellen, sich auf die Entwicklungen anderer einzulassen (das “not invented here-Syndrom”).
  • Innovationen sind Veränderungen; sie stören bewährte Verhaltensweisen. Weiterlernen ist nötig; nicht jeder ist dazu bereit.
  • Umstellungen verursachen anfängliche Kosten; die erwarteten Synergien stellen sich erst später ein, wenn eine kritische Masse erreicht ist und das Digitale Publizieren alle Hochschulschriften umfaßt (und nicht nur Dissertationen).
  • Bibliotheken, Rechentechnik und Universitäten/Fakultäten müssen sich auf bestimmte Arbeitsabläufe verständigen; diese Zusammenarbeit stellt die Autonomie mancher universitärer Einrichtungen in Frage.
  • Die effiziente Nutzung der Druckformatvorlage für Textsysteme erfordert für Promovenden eine gewisse (Selbst-) Schulung. Den Promovenden entstehen u.U. Kosten für eine nachträgliche Bearbeitung ihrer Arbeit. Ihre Verhandlungen mit Verlagen werden u.U. schwieriger.

Aber: Es entsteht ein immenser Gewinn für die Wissenschaft und Forschung, wenn die neuen Möglichkeiten der Computer- und Kommunikationstechniken, wie an Dissertationen exemplifiziert, auch auf die Speicherung, das Retrieval, die Dokumentenlieferung und die Archivierung von Hochschulschriften insgesamt angewendet werden.

3.7 Zum weiteren Vorgehen

Für die nähere Zukunft ist folgendes geplant:

  1. Die Deutsche Bibliothek wird eine Geschäftsstelle DissOnline in Frankfurt/Main einrichten.
  2. Sie wird einen Antrag bei der Deutschen Forschungsgemeinschaft auf Anfangsförderung stellen.
  3. Etwa zum Jahresbeginn 2001 sollen die Hochschulen, Bibliotheksverbünde und Wissenschaftsverlage informiert und zur Teilnahme an DissOnline eingeladen werden.
  4. Das Duisburger DFG-Projekt “MathDiss International” (http://www.ub. uni-duisburg.de/mathdiss/) wird seine Ergebnisse zur Dokumentation von Strukturelementen von Mathematik-Dissertationen in das Projekt DissOnline einbringen.
  5. Prof. Diepold hat nach seiner Pensionierung im Frühjahr 2001 die Pflege der Materialien auf dem Server und der CD-ROM (“Diss-Info”) zugesagt.
  6. Die IuK-Initiative der wissenschaftlichen Fachgesellschaften hat die Arbeitsgruppe “Dissertationen Online” beauftragt, im Rahmen der Bemühungen um Online-Publikationen von Monographien das Projekt kritisch zu begleiten und zu unterstützen. Sie wird sich auf der Frühjahrstagung in Trier mit den konkreten Plänen beschäftigen.
  7. Die wissenschaftlichen Fachgesellschaften sollen angeschrieben, informiert und um Unterstützung des Projekts über die jeweiligen Fakultäten und die persönlichen Mitglieder der jeweiligen Gesellschaft gebeten werden.
  8. Die Deutsche Initiative für Netzwerkinformation (DINI) hat sich auf ihrer letzten Jahresversammlung für die nachhaltige Unterstützung des Projekts DissOnline ausgesprochen.
  9. Die internationale Zusammenarbeit mit der Networked Digital Library of Theses and Dissertations (NDLTD) soll fortgesetzt werden.
  10. Das UNESCO-Clearing House-Projekt (s.o. 2.4) wird verstärkt in Berlin fortgesetzt.
  11. Die Eingliederung der Dissertationsarchive in die Open Archive Initiative und das Erstellen von Empfehlungen für deutsche Hochschulen dazu soll im Rahmen der DINI-Arbeitsgruppe “Standards und Empfehlungen für das elektronische Publizieren” vorgenommen werden.
  12. Der Beitrag von DissOnline zum UNESCO-Guide (s.o. 2.4) wird zum 30. April 2001 in Berlin fertiggestellt.


 

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Last modified 09.10.2004 13:24
 

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