Aktuelles
Institutionalisierung forschungsethischer Standards. Welchen Weg geht die Erziehungswissenschaft?
In vielen Fachdisziplinen, so auch in der Erziehungswissenschaft, wurden in den letzten Jahren forschungsethische Standards formuliert. Diese beschreiben den Rahmen, innerhalb dessen sich moralisch verantwortbare Forschung bewegen sollte. Die Frage, ob weitere Institutionalisierungen erforderlich sind, z.B. in Form von im angloamerikanischen Raum üblichen institutional ethical boards, wird in den Fachdisziplinen sehr unterschiedlich eingeschätzt. Während derartige Einrichtungen beispielsweise in der Medizin und der Psychologie schon längere Zeit üblich sind, ist dies in der Erziehungswissenschaft bisher nicht der Fall. Die Erfahrungen mit derartigen Einrichtungen sind keinesfalls eine reine Erfolgsgeschichte, sondern mitunter führen derartige Boards auch zu einer Bürokratisierung, die Forschung eher verhindert als befördert. Daher soll im Workshop die Frage verfolgt werden, ob die Einrichtung derartiger Institutionen auch für die Erziehungswissenschaft relevant und sinnvoll ist oder nicht.
Nähere Informationen zum Workshop finden Sie im Programm.
Einladung zum Forschungskolloquium für Nachwuchswissenschafterinnen und -wissenschaftler
Die Deutsche Gesellschaft für Erziehungswissenschaft lädt ein zum 14. Kolloquium »Forschungsberatung« für Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftler sowie für Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen, die für ein Forschungsvorhaben Drittmittel bei einer Förderinstitution, beispielsweise bei der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), der VW-Stiftung oder dem Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF), einwerben möchten. Das Kolloquium ist an Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler adressiert, die daran interessiert sind, sich vor der Antragstellung eines Forschungsvorhabens von Expertinnen und Experten beraten zu lassen. Die DGfE organisiert und fördert dieses Kolloquium und lädt für die Beratungen erfahrene DFG-Fachgutachterinnen und Fachgutachter ein, die jedoch derzeit nicht Mitglied des erziehungswissenschaftlichen Fachgremiums der DFG sind.
Die gesamte Ausschreibung finden Sie hier als Download.
DGfE-Nachwuchspreis 2014
Die Deutsche Gesellschaft für Erziehungswissenschaft vergibt anlässlich ihres 24. Kongresses im März 2014 in Berlin erneut den Förderpreis für ausgezeichnete Arbeiten junger Erziehungswissenschaftlerinnen und Erziehungswissenschaftler.
Der Preis ist dotiert mit insgesamt 3.000 Euro, das Preisgeld kann auf drei Plätze verteilt werden. Förderungswürdig sind Beiträge in Einzel- oder Koautor/innen/schaft sowohl aus Fachzeitschriften als auch aus Sammelbänden, die nach dem 1. September 2011 von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern publiziert wurden, die das 40. Lebensjahr noch nicht vollendet haben. Die Altersgrenze gilt für den Zeitpunkt der Publikation. Der Nachwuchsstatus (keine Berufung außer auf eine Juniorprofessur) muss bis zum Ende der Einreichungsfrist bestehen und gilt ggf. auch bei den Ko-Autor/inn/en. Begründete Vorschläge mit sieben Exemplaren der Publikation und Angabe des Geburtsdatums der Autorin/des Autors sowie einer kurzen Laudatio können bis zum 01.09.2013 bei der Vorsitzenden der Jury des Förderpreises, Prof. Dr. Tina Hascher, eingereicht werden. Bitte schicken Sie die Unterlagen an die Geschäftsstelle der DGfE, Warschauer Straße 36, 10243 Berlin, mit dem Vermerk „Förderpreis“ auf dem Kuvert. Für Rückfragen wenden Sie sich bitte an Susan Derdula in der Geschäftsstelle der DGfE, E-Mail: buero@dgfe.de.
Erziehungswissenschaft im öffentlichen Diskurs – eine notwendige Antwort
Im Zusammenhang mit den Diskussionen über die Dissertation von Annette Schavan geriet auch die Erziehungswissenschaft ins Visier der öffentlichen Aufmerksamkeit. Pauschalierend und weitgehend datenfrei wird die deutsche Erziehungswissenschaft als eine Disziplin „mit überschaubaren wissenschaftlichen Leistungen“, so Jürgen Kaube in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung am 21.10.2012 beschrieben, die als ein „Non-Fach“ eben „eine intellektuelle Simulation“ sei und die „bei den traditionellen Hochschullehrern einen denkbar schlechten Stand“ hatte, so Tilman Krause in „Die Welt“ am 07.02.2013. Bestätigt wird dieses Bild von einigen Erziehungswissenschaftler_innen, die „öffentlich versichern, in ihrer Disziplin hätten schon immer andere Maßstäbe gegolten, Pädagogik sei keine echte Wissenschaft“, so – ob überpointierend referiert, sei dahingestellt – Thomas Gutschker im FAZ.Net vom 09.02.2013.
Allgemeine Aussagen über die Qualität erziehungswissenschaftlicher Dissertationen in den 1970er und 1980er Jahren sind nur schwer zu treffen, Antworten auf die Frage, ob heutige gegenüber vor Jahrzehnten vorgelegten Dissertationen qualitativ besser oder schlechter seien, nicht einfach zu geben. Sicherlich war der diskursive, institutionelle und infrastrukturelle Kontext vor vierzig Jahren ein anderer als der heutige und die zur Verfügung stehenden „Produktionsmittel“, Karteikarten, Zettelkästen, Schreibmaschinen und Durchschlagpapier, waren andere. Dieses entband forschende Wissenschaftler_innen selbstverständlich nicht davon, sorgfältig zu arbeiten und präzise anzugeben, worauf sie sich wie und mit welchen Aussagen beziehen. Es existieren keine empirischen Studien, die die Qualität von Promotionen und anderen Qualifizierungsarbeiten an Standards vergleichend prüfen, ebenso wenig wie bibliometrische oder inhaltanalytische Untersuchungen. Insofern spielt sich im öffentlichen Diskurs über die Erziehungswissenschaft ab, was man dieser selbst sofort vorwürfe: Es werden weitgehend belegfrei generalisierende Aussagen getroffen. Journalistisch mag dieses legitim sein, Wissenschaftler_innen ist es sicher nicht nachzusehen.
Der sich in den jüngsten Diskussionen wiederholende Affekt gegen die Erziehungswissenschaft ist ebenso bekannt wie die Herabsetzung oder gar Verachtung alt ist, die Pädagog_innen – ob als „prügelnde Schwächlinge“ oder „faule Säcke“ – im öffentlichen Diskurs in der Moderne immer wieder trifft. Als Verkennung der Struktur pädagogischen Tuns sind Affekt und Verachtung verstehbar wenn auch höchst problematisch – scheint Erziehung doch vor dem Hintergrund aufklärerischer Vorstellungen und Werte immer ein schwieriges, zuweilen auch „dreckiges Geschäft“, nie machtfrei und immer von Schuld bedroht, weil selbst noch das bestgemeinte erzieherische Tun im guten Unterricht negative Konsequenzen für die Einzelne/den Einzelnen nicht ausschließen kann. Distanzierungen von diesem „Geschäft“ sind en vogue – das spiegelt gegenwärtig sich im Setzen auf „Bildung“, die als individuelle Steigerung viel weniger fragwürdig als Erziehung erscheint. Und die vornehmere Rede von den „Bildungswissenschaften“ verspricht, sich von einer Geschichte der Legitimationsnotwendigkeiten, wie die Erziehungswissenschaft sie kennt, mit einem Schlage befreien zu können. Neu ist nun allerdings, dass die Erziehungswissenschaft Zielpunkt einer generellen Herabsetzung der Geisteswissenschaften und damit einer bestimmten Art der Wissensproduktion wird. Warum das so ist und wie Entwicklungstendenzen in der Hochschul- und Wissenspolitik mit dem Affekt gegen die Pädagogik sich verbinden – dazu nun einige Bemerkungen von Erziehungswissenschaftler_innen.
Lesen Sie hier den gesamten Text von Werner Thole, Marcelo Caruso und Sabine Reh.